Mehr als Ergebnisse: Wie die 3. Herren ihren Weg gefunden hat

Seit der Übernahme im Januar haben Sebastian Mundruc und Nico Skopljak der Mannschaft neue Impulse gegeben – mit klaren Strukturen, jungen Talenten und einer gemeinsamen Idee.

Ihr habt die 3. Herren im Winter 2026 übernommen. Wie habt ihr die Mannschaft damals vorgefunden – sportlich, aber auch mit Blick auf Stimmung, Zusammenhalt und Strukturen innerhalb des Teams?

„Rückblickend würde ich sagen, dass die sportliche Situation durchaus herausfordernd war. Die Mannschaft hatte bis zu diesem Zeitpunkt gerade einmal sechs Punkte in der Hinrunde gesammelt. Da ist es natürlich nachvollziehbar, dass die Stimmung nicht die allerbeste sein kann.

Was mich jedoch wirklich beeindruckt hat, war der starke Zusammenhalt und der Enthusiasmus, der sich bei uns schon nach kurzer Zeit entwickelt hat. An dieser Stelle möchte ich auch den Vorgängern, dem bisherigen Trainerduo, ein Kompliment machen. Sie haben bis zum Winter wirklich einen guten Job gemacht und uns eine Mannschaft übergeben, die körperlich fit und taktisch diszipliniert war.

Grundsätzlich habe ich das Team aber von Tag eins an als eine Einheit wahrgenommen. Eine Mannschaft, die nicht nur auf dem Platz etwas erreichen und gemeinsam performen wollte, sondern sich auch neben dem Platz unheimlich engagiert hat. Die Jungs haben sich beispielsweise stark darum gekümmert, die Abläufe im Hintergrund zu organisieren. Das hat uns als neues Trainerteam den Einstieg natürlich deutlich einfacher gemacht.“

Defensive Stabilität und neues Selbstvertrauen

Was waren die ersten Stellschrauben, an denen ihr angesetzt habt? Was musste sich verändern, damit die Mannschaft wieder in die richtige Richtung kommt?

„Ein grundlegender Ansatz, den wir auch im modernen Fußball immer wieder finden und an dem wir deshalb von Tag eins an gearbeitet haben, war das Thema Defensivarbeit. Hier haben wir klare Strukturen und Prinzipien geschaffen, die den Spielern helfen, in unterschiedlichen Situationen einfache Lösungen nach dem Prinzip ‚Wenn-dann‘ zu finden.

Dadurch konnten wir relativ schnell mehr Stabilität in unsere Defensive bekommen und ein stärkeres defensives Bewusstsein innerhalb der Mannschaft entwickeln. Im Endeffekt hat uns das dann auch geholfen, bessere Ergebnisse zu erzielen.

Ein weiterer wichtiger Punkt war das Thema Selbstbewusstsein. Für uns war von Beginn an klar, dass die Spieler ihr Potenzial nur dann voll entfalten können, wenn sie an sich und ihre eigenen Fähigkeiten glauben. Deshalb haben wir sowohl in unserer Ansprache als auch in unserer Haltung im Training und im Spiel sehr darauf geachtet, eine positive Grundstimmung zu schaffen. Eine Atmosphäre, in der die Spieler Vertrauen in ihre eigene Leistungsfähigkeit entwickeln und sich auch trauen, diese auf dem Platz abzurufen.“

Die Rückrunde verlief anschließend sehr erfolgreich. Was hat aus eurer Sicht den entscheidenden Unterschied gemacht und welche Entwicklung der Mannschaft hat euch dabei besonders gefreut?

„Über eine hohe Trainingsintensität konnten wir in der Rückrunde eine andere Pace entwickeln. Dadurch waren wir vor allem im Umschaltspiel deutlich sprintstärker und hatten mehr Bewegung in unserem Offensivspiel. Das hat die Gegner zunehmend vor größere Herausforderungen gestellt.

Ein weiterer entscheidender Punkt war, dass es uns als gesamtes Team gelungen ist, besser mit kleinen und großen Rückschlägen umzugehen. Dazu gehörten beispielsweise Verletzungen, aber auch Rückstände innerhalb eines Spiels. Wir haben gelernt, in solchen Situationen ruhig zu bleiben und weiterhin an unsere eigenen Stärken zu glauben.

Über die gesamte Rückrunde hinweg haben wir dadurch eine gemeinsame Haltung entwickelt, wie wir als Eintracht Braunschweig Herren auftreten wollen. Und wir haben die Überzeugung entwickelt, dass wir auch schwierige Spiele drehen und am Ende für uns entscheiden können.“

Standards, Individualisierung und ein verjüngter Kader

Welche Erkenntnisse habt ihr aus eurer ersten Halbserie als Trainerteam gewonnen? Gibt es Dinge, die ihr in der neuen Saison bewusst anders oder weiterentwickeln möchtet?

„Nach der Rückrunde haben wir uns im Trainerteam zusammengesetzt und analysiert, in welchen Bereichen wir den nächsten Schritt machen wollen, wo wir noch Potenzial in unserer Spielweise sehen und welche Bereiche wir gezielt weiterentwickeln möchten.

Ein wesentlicher Faktor waren dabei die Standardsituationen. Sie sind ein wichtiges Instrument im Fußball – egal, ob bei Eckbällen, Freistößen oder Einwürfen – und werden häufig noch etwas vernachlässigt. Dieses Potenzial wollten wir nicht ungenutzt lassen. Deshalb haben wir zur neuen Saison Florian Franke als Standardtrainer in unser Team aufgenommen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Thema Individualisierung und Kleingruppentraining. Dabei haben wir uns intensiv mit den positionsspezifischen Anforderungen und Anforderungsprofilen der einzelnen Spieler beschäftigt. So können wir nun jeden Dienstag gezielt in kleinen Gruppen arbeiten und unsere Spieler individuell weiterentwickeln, sowohl im technischen und taktischen als auch im athletischen Bereich.“

Mit welchen sportlichen Zielen geht ihr in die neue Saison? Was wollt ihr auf dem Platz konkret verbessern oder weiterentwickeln?

„Im Sommer haben wir den Kader deutlich verjüngt und dabei darauf geachtet, einen guten Mix zu schaffen: auf der einen Seite klare Verstärkungen für die jeweiligen Positionen, auf der anderen Seite junge Spieler mit Potenzial, die wir Schritt für Schritt an das Niveau heranführen können.

Eine Herausforderung ist, dass wir nach wie vor keine fest implementierte A-Jugend haben. Deshalb ist es für uns besonders wichtig, einen Kader aufzubauen, der sich langfristig mit dem Verein, dem Vereinsleben und Eintracht Braunschweig als Ganzem identifiziert.

Sportlich ist unser Ziel ganz klar, dass wir uns in den Top 5 der Liga etablieren. Gleichzeitig wollen wir unseren Spielstil sowohl defensiv als auch offensiv weiterentwickeln und dabei den nächsten Schritt machen. Das Leitbild des Löwenrudels soll sich dabei auch auf dem Platz widerspiegeln: Durch Zusammenhalt, Intensität und die Bereitschaft, füreinander zu arbeiten.“

„Die Rolle des Gejagten ist eine andere als die des Jägers“

Die Mannschaft steht aktuell nach sechs Spielen mit 16 Punkten auf Platz 1. Wie ordnet ihr diesen Saisonstart ein – und worauf wird es aus eurer Sicht ankommen, damit die Mannschaft diese Entwicklung bestätigt?

„Den Saisonstart können wir durchaus als gelungen betrachten. Auch wenn wir im ersten Spiel ein unnötiges Unentschieden und damit direkt einen kleinen Rückschlag zu verkraften hatten, sind wir danach gestärkt zurückgekommen. Wir haben es geschafft, die Themen aus dem Training auch auf den Platz und in die Punktspiele zu übertragen. Dabei helfen uns natürlich auch die Möglichkeiten der Videoanalyse und vor allem die hohe Motivation innerhalb der Mannschaft.

Das zeigt sich unter anderem an der extrem hohen Trainingsbeteiligung, der Leidenschaft auf und neben dem Platz und dem großen Engagement darüber hinaus. Ein gutes Beispiel dafür ist Mario, der im vergangenen Jahr noch aktiver Spieler war und die Mannschaft jetzt als Teambetreuer unterstützt und rundum versorgt. Genauso ist Pascal im Bereich der Teamkoordination für viele organisatorische Themen im Hintergrund zuständig. Dadurch kann sich das Trainerteam voll auf Training und Spiel konzentrieren. Ohne diesen tollen Support wäre vieles so nicht möglich.

Natürlich ist die Rolle des Gejagten eine andere als die des Jägers. Ich bin mir aber sicher, dass unsere Mannschaft dieser Aufgabe mit ihrer Mentalität gewachsen ist. Wir blicken deshalb sehr positiv auf die weitere Entwicklung – sowohl sportlich als auch charakterlich.

Es ist uns als Trainerteam gelungen, aus einer Gruppe von Menschen eine echte Einheit zu formen. Und genau diese Entwicklung macht uns als Trainerteam und als gesamte Mannschaft besonders stolz.“

Angekommen bei der Eintracht

Ihr seid inzwischen einige Monate bei der Eintracht. Wie fällt euer persönliches Fazit aus: Wie seid ihr bei der Eintracht und innerhalb der Mannschaft angekommen?

„Wir wurden von Tag eins an überragend aufgenommen, sowohl von den Trainerkollegen aus den anderen Jugendmannschaften und dem Damenfußball als natürlich auch von der Mannschaft selbst. Wir haben von Beginn an eine große Offenheit und Wertschätzung erfahren und uns dadurch sofort sehr wohlgefühlt.

Auch das Vertrauensverhältnis innerhalb des Mannschaftsrats und zu unserem Kapitän Kevin Vierra ist hervorragend. Dieser offene und vertrauensvolle Austausch ermöglicht uns ein konstruktives und sehr gutes Arbeiten.“

Zum Abschluss der Blick nach vorne: Was dürfen Mannschaft und Umfeld von der 3. Herren in dieser Saison erwarten und worauf freut ihr euch als Trainerteam besonders?

„Wir wollen mit der Mannschaft ein würdiger Vertreter von Eintracht Braunschweig sein und den eingeschlagenen Weg mit jungen Talenten, einem klaren Spielplan und festen Prinzipien weiterverfolgen.

Dabei wollen wir auch den guten Talenten aus der hervorragenden Jugendarbeit eine sportliche Perspektive bieten. Dafür haben wir einen Rahmen geschaffen, der von Professionalität und klaren Strukturen geprägt ist und den die Spieler vorfinden, wenn sie mit uns und bei uns trainieren.

Persönlich freuen wir uns als Trainerteam aber vor allem auf jedes einzelne Training. Es macht unglaublich viel Spaß, mit dieser Mannschaft zu arbeiten, weil auf dem Platz eine unfassbar positive Energie herrscht. Wir sind für jedes Training mit diesen Jungs dankbar und freuen uns darauf, gemeinsam mit ihnen den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.“

Von sechs Punkten nach der Hinrunde über eine starke Rückrunde bis zum erfolgreichen Start in die neue Saison: Die 3. Herren hat in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte Entwicklung genommen.

Der eingeschlagene Weg verbindet dabei sportliche Ambition mit der Entwicklung junger Spieler, klaren Strukturen und einer starken Identifikation mit Eintracht Braunschweig.

Nun geht es darum, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen.

Fotos von: @remy.images