Interview mit Cheftrainer Simon Wintgen (1. Frauen)

Tabellenführung, klare Spielidee und spürbare Entwicklung: Cheftrainer Simon Wintgen blickt im Interview auf eine erfolgreiche Hinserie der 1. Frauen von Eintracht Braunschweig zurück und erklärt, warum Mentalität, Kollektiv und Fokus die entscheidenden Faktoren sind.

Rückblick auf die Hinserie

Wenn ihr auf die Hinserie zurückblickt: Was zeichnet diese Mannschaft in dieser Saison besonders aus? 

Wir sind viel sicherer in Ballverlustmomenten: Wir schalten schneller um, verteidigen mutiger nach vorne und haben so einfach eine höhere Qualität im Gegenpressing. So räumen wir unsere eigenen Fehler direkt wieder aus und sie fallen nicht mehr so stark ins Gewicht, wie sie im Jahr zuvor vielleicht noch häufiger bestraft worden wären. Das ist eine Mentalitätsfrage: Wir WOLLEN in dieser Saison! Und das ist viel wichtiger als schöne Tore.

War diese Entwicklung Teil eurer Saisonplanung oder hat sich das Team schneller gefunden als erwartet?

Genau das Thema habe ich schon im Eintracht-Podcast vor dem Start der Saisonvorbereitung angesprochen. Das war das Resultat unsere Analyse der Vorsaison im Trainerteam und haben wir dann entsprechend im Training fokussiert behandelt. Zudem haben wir den Kader nur punktuell verändert, wobei die Neuzugänge aber genau den richtigen Drive mitgebracht haben.

Gab es einen Moment oder ein Spiel in der Hinserie, das sinnbildlich für euren bisherigen Erfolg steht?

Das Rückspiel bei uns zu Hause gegen Limmer bleibt nachhaltig in meinem Kopf: Geduld im Ballbesitz, Umsetzen unserer Spielprinzipien, bei wenig zugelassenen Chancen - Das war unser bestes Spiel der Saison gegen einen Gegner, der uns traditionell durch Körperlichkeit und kompaktes Verteidigen das Leben schwer macht. Der 4:1-Sieg war Ausdruck dessen, was wir uns erarbeitet haben.

Wo seht ihr die größte Entwicklung im Vergleich zur Vorsaison? 

Die größte Entwicklung liegt in unserer kollektiven Stabilität nach Ballverlusten. Wir verteidigen deutlich aktiver nach vorne, sind enger beisammen und können so Fehler schneller korrigieren. Das gibt uns insgesamt mehr Kontrolle über Spiele.

Einordnung und Zufriedenheit

Wie zufrieden seid ihr aktuell – sportlich aber auch im Umgang innerhalb der Mannschaft?

Wir können sehr zufrieden mit dem aktuellen Zwischenstand sein, dürfen aber nicht denken, dass wir jetzt weniger machen können. Die Ziele liegen noch vor uns, aber ich glaube das ist allen bewusst. Wir haben eine Gruppe beisammen, die sportlich immer homogener im Leistungsniveau wird. Da freut es uns sehr, dass auch neben dem Platz viel miteinander unternommen wird und sich die Mädels anscheinend gut verstehen. Erfolg erlebt man nur gemeinsam in unserem Sport! 

Was funktioniert momentan besonders gut – auf dem Platz, aber auch im Teamgefüge?

Auf dem Platz greifen unsere Prinzipien immer verlässlicher, unabhängig von einzelnen Spielerinnen. Gleichzeitig haben wir eine Gruppe, die Verantwortung füreinander übernimmt und sich gegenseitig fordert – das spiegelt sich auch in der Trainingsqualität wider.

Welche Aspekte eurer Spielidee greifen heute deutlich besser als noch zu Saisonbeginn?

Neben dem schon genannten Gegenpressing kommen wir wesentlich kontrollierter ins letzte Drittel. Hier wurden die Prinzipien im Aufbauspiel über die Hinrunde hinweg stark verinnerlicht. Vor allem funktioniert es auch personalunabhängig gut, was das homogene Leistungslevel unterstreicht.

Trotz Tabellenführung: Welche Bereiche müssen und können noch verbessert werden? 

Wir müssen noch ruhiger im letzten Drittel werden und auch dort die geforderten Prinzipien gezielter umsetzen. Da haben wir noch viel Potenzial, insbesondere in Entscheidungsfindung und Timing.

Wo hat sich die Mannschaft im Verlauf der Hinserie am deutlichsten weiterentwickelt?

Das Team hat das Selbstbewusstsein für seine Qualität ausgebildet, was uns viel Vertrauen für ein prinzipientreues Spiel schenkt. Die Frauen wissen, dass sie die Dinge, die wir als Trainer einfordern auch umsetzen können. Ohne dieses Selbstbewusstsein würden wir nicht das hohe Level immer wieder abrufen können.

Ausblick & Zielsetzung

Worauf legst du in der Vorbereitung auf die Rückserie den größten Schwerpunkt?

Wir starten mit zwei Pflichtspielen in die Rückrunde, die saisonentscheidend sein können. Daher wird die Vorbereitung eine besondere Situation, in der wir natürlich Spaß haben dürfen, aber gleichzeitig den Fokus auf unsere Ziele legen müssen. Es wird also kein „lockerer Aufgalopp“ wie es im Sommer immer so schön heißt. Wir müssen gleich da sein – Mentalität steht über Inhalten.

Was ist der Schlüssel, um diese starke Form auch in der Rückserie zu bestätigen? 

Wach bleiben, Fokus beibehalten. So haben wir gezeigt, was wir erreichen können. Schludern gibt es jetzt nicht. Es liegt jetzt an uns, das gehört auch zum Selbstbewusstsein.

Was nehmt ihr euch persönlich – ihr euch auch als Team – für die Rückserie fest vor?

Zwischenetappen gibt es jetzt nicht mehr. Das Ziel ist es im Sommer in Barsinghausen zu spielen. Daran wollen wir uns messen lassen.