Drei Perspektiven, ein klares Ziel
Erfahrung, Comeback und Neuanfang – die 1. Frauen blicken mit Selbstvertrauen auf die entscheidende Phase der Saison. Nach dem sportlichen Zwischenfazit von Cheftrainer Simon Wintgen kommt nun die Mannschaft selbst zu Wort.
Den Auftakt macht eine unserer erfahrensten Spielerinnen Anna Fries, die sowohl auf als auch neben dem Platz Verantwortung übernimmt – und klare Worte zur Entwicklung der Hinserie findet.
Ihr wirkt in dieser Saison deutlich gefestigter. Woran machst du die Entwicklung im Vergleich zur Vorsaison fest?
Wir sind in dieser Spielzeit wesentlich fokussierter. In der vergangenen Saison mussten wir schmerzhaft lernen, dass viele Gegner gegen Eintracht Braunschweig noch einmal eine zusätzliche Portion Siegeswillen entwickeln. Uns Punkte abzunehmen, ist für einige Mannschaften ein besonderer Anreiz. Dadurch haben wir teilweise unnötig Punkte liegen lassen.
Das möchten wir in dieser Saison unbedingt vermeiden. Unser klares Ziel ist das Aufstiegsspiel – und dafür müssen wir nicht nur guten Fußball spielen, sondern in jedem einzelnen Spiel über 90 Minuten fokussiert bleiben. Harte Arbeit und hohe Intensität im Training sind die Grundvoraussetzung, um dieses Ziel zu erreichen.
Gerade in engen oder schwierigen Spielphasen: Welche Rolle spielen Erfahrung und Kommunikation innerhalb der Mannschaft – und wie bringst du dich dort ein?
Erfahrung bringt vor allem Ruhe – besonders am Ball. Im Fußball ist alles möglich. Ein Rückstand kann schnell aufgeholt werden, wenn man weiterhin daran glaubt. Wichtig ist, den Gegner laufen zu lassen, ihn sich zurechtzulegen und dann im richtigen Moment eiskalt zuzuschlagen. Hektik hilft in solchen Situationen nicht – sie begünstigt nur weitere Fehler.
Kommunikation gehört für mich neben Beidfüßigkeit und Agilität zu den drei tragenden Säulen im Fußball. Mitspielerinnen zu motivieren und aktiv zu coachen, kann in einem Spiel den Unterschied machen.
Teilweise ist es bei uns auf dem Platz noch zu leise – daran arbeiten wir. Im besten Fall machen bald alle Spielerinnen, die den Löwen auf der Brust tragen, den Mund auf. Durch meine langjährige Erfahrung als Spielerin und Trainerin bis einschließlich zweiter Bundesliga bringe ich klare und lautstarke Kommunikation in das Team ein.
Der Trainer spricht viel über Mentalität und kollektive Stabilität nach Ballverlusten. Wie nimmst du diese Veränderung auf dem Platz wahr – und was bedeutet sie für dein eigenes Spiel?
Wir verfolgen alle ein gemeinsames Ziel – dafür braucht es eine klare Mentalität innerhalb der Mannschaft. Ältere Spielerinnen bringen diese oft automatisch mit, aber es ist schön zu sehen, dass auch unsere jüngeren Spielerinnen mittlerweile sehr selbstbewusst auftreten.
Für mich ist Mentalität der Schlüssel zum Erfolg.
Das schnelle Umschalten nach Ballverlust mit dem klaren Ziel der direkten Balleroberung trainieren wir intensiv. Dass wir hier Fortschritte gemacht haben, zeigt sich auch in unseren Spielen. Für das eigene Spiel bedeutet das: in jeder Situation hellwach sein – und besonders nach Ballverlusten noch aktiver kommunizieren und coachen.
Comeback mit Geduld, Vertrauen und klarer Zielstrebigkeit
Nach der erfahrenen Stimme aus dem Mannschaftsrat richtet sich der Blick nun auf eine Spielerin, die aktuell vor einer ganz eigenen Herausforderung steht: Cindy arbeitet nach ihrer Knieverletzung an ihrem Comeback – mit Geduld, mentaler Stärke und großem Vertrauen in ihr Team.
Nach deiner Verletzung bist du nun wieder Teil der Mannschaft: Wie hast du den Weg zurück erlebt – sportlich, aber auch mental?
Leider gibt es auf dem Weg zurück noch einige Komplikationen. Ursprünglich war geplant, im Rahmen der Operation einen Teil des Meniskus zu entfernen. Dieser Plan musste jedoch während des Eingriffs verworfen werden, da der Riss tiefer war als zunächst angenommen. Aus diesem Grund musste der Meniskus genäht werden. Dadurch wird der Heilungsprozess etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Mitte Februar habe ich mit individuellem Training auf dem Platz begonnen. Aktuell befinde ich mich weiterhin im behutsamen Aufbau, sodass sich noch nicht abschließend sagen lässt, wie genau mein weiterer Weg zurück verlaufen wird. Mental gehe ich davon aus, dass es gerade zu Beginn eine Überwindung sein wird, dem Knie wieder vollständig zu vertrauen.
Durch meine bisherige Laufbahn habe ich mich jedoch bereits aus mehreren Verletzungen zurückgekämpft und bin überzeugt, diese Herausforderung sowohl mental als auch sportlich erneut zu meistern. Der Weg wird sicherlich hart, aber ich werde alles dafür geben, so schnell wie möglich wieder gemeinsam mit meinem Team auf dem Platz zu stehen.
Das Team wirkt sehr gefestigt und selbstbewusst. Wie sehr hat dich die Unterstützung der Mannschaft während deiner Verletzung getragen?
Extrem viel. Gerade in solchen Phasen zeigt sich, wie stark und verlässlich das Team wirklich ist. Die Mädels haben mich von Anfang an mitgenommen und mir immer das Gefühl gegeben, voll dazuzugehören, auch wenn ich nicht auf dem Platz stehen konnte. Ob durch Gespräche, aufmunternde Worte oder kleine Gesten im Alltag – diese Unterstützung gibt einem enorm viel Kraft und Motivation. Es hilft einem, um jeden Tag alles reinzuhauen und sich Schritt für Schritt zurückzukämpfen.
Während du dich weiterhin im Aufbautraining befindest: Was gibt dir aktuell das größte Vertrauen – sowohl mit Blick auf dein Comeback als auch auf die Entwicklung der Mannschaft?
Auch wenn wir bisher nur ein Pflichtspiel hatten, habe ich ein sehr gutes Gefühl für das, was kommt. Derzeit kann ich nur einschätzen, wie ich mich im Spiel fühlen werde. Mir wird es vor allem Vertrauen geben, wenn ich erst einmal merke, wie sich viele Abläufe wieder natürlich anfühlen und ich hoffentlich Schritt für Schritt wieder an meine alte Form anknüpfen kann. Dazu kommt der starke Zusammenhalt im Team und vor allem das Vertrauen von meinen Trainern, die immer an mich glauben. Ich freue mich, wenn ich endlich wieder gemeinsam mit meinem Team auf dem Platz stehen kann.
Wenn ich auf die Entwicklung im Team schaue, sehe ich, dass sich in den letzten Jahren unglaublich viel getan hat. Wir haben nicht nur individuelles Aufbautraining und einen großartigen Athletiktrainer, sondern verzeichnen auch kontinuierlich Neuzugänge. So erweitern wir unseren Kader und stellen uns sowohl qualitativ als auch quantitativ noch stärker auf.
In unserer Mannschaft steckt riesiges Potenzial. Ich glaube an uns und unsere Fähigkeiten und wünsche uns eine genauso starke Rückrunde wie die Hinrunde. Ich freue mich sehr darauf, bald wieder aktiv Teil dieser Entwicklung zu sein.
Mit Gina ist zur Saison eine Spielerin zur Eintracht gestoßen, die sportliche Ambitionen mit klarer Zielorientierung verbindet – und sich von Beginn an gut integriert fühlt.
Du bist erst seit dieser Saison bei Eintracht Braunschweig: Wie hast du die Mannschaft und das Umfeld in deinen ersten Monaten erlebt?
Die Mannschaft hat mich von Anfang an sehr gut aufgenommen und mir direkt das Gefühl gegeben, schon länger Teil des Teams zu sein. Das Umfeld ist insgesamt sehr familiär, was ich als sehr angenehm empfinde. Besonders der Support unserer Fans ist etwas ganz Besonderes und sorgt bei Heimspielen für eine tolle Atmosphäre.
Was hat für dich den Ausschlag gegeben, Teil dieses Teams zu werden – und bestätigt sich dieses Gefühl bisher?
Ich habe eine neue sportliche Herausforderung gesucht und wollte mich sowohl auf als auch neben dem Platz weiterentwickeln. Gleichzeitig war es für mich reizvoll, mit der Mannschaft die Chance auf den Aufstieg in die Regionalliga zu haben.
Rückblickend fühle ich mich absolut bestätigt, diesen Schritt genau zu diesem Zeitpunkt gegangen zu sein.
Was hat dich bisher am meisten überrascht – sportlich oder menschlich – seit deinem Wechsel zur Eintracht?
Überrascht hat mich ehrlich gesagt nichts – ich bin mit großer Vorfreude und ohne Vorbehalte zur Eintracht gewechselt. Umso schöner ist es zu sehen, wie homogen unsere Mannschaft ist und dass alle die gleichen Ziele verfolgen. Das merkt man in jeder Trainingseinheit.
Das Trainerteam investiert viel Zeit und Gedanken in unsere Weiterentwicklung. Außerdem schätze ich sehr, wie empathisch innerhalb der Mannschaft miteinander umgegangen wird – gerade, wenn jemand verletzungsbedingt oder aus anderen Gründen fehlt. Dieser Zusammenhalt macht uns als Team stark.
Ob langjährige Führungsspielerin, kämpferische Rückkehrerin oder motivierter Neuzugang – die 1. Frauen vereinen unterschiedliche Wege zu einem gemeinsamen Ziel. Mit klarer Haltung, hoher Trainingsintensität und spürbarem Teamgeist geht Eintracht geschlossen in die Rückserie – bereit, den nächsten Schritt zu gehen.