Von der 2. in die 1. Frauenmannschaft: Leandra Hampe-Michels über ihren Weg nach oben

Vom Instagram-Aufruf bis in die 1. Frauen: Leandra Hampe-Michels hat sich ihren Platz bei Eintracht Braunschweig Schritt für Schritt erarbeitet. Mit jeder Station gewachsen, mit jeder Herausforderung stärker – jetzt misst sie sich in der Oberliga auf einem neuen Niveau. „Ich musste erst lernen, selbst an meine Fähigkeiten zu glauben – erst dann habe ich gemerkt, dass noch mehr möglich ist.“

Ich bin Leandra Hampe-Michels, 23 Jahre alt und fühle mich im zentralen Mittelfeld am wohlsten. Bei Eintracht habe ich in der Innenverteidigung begonnen und bin Jahr für Jahr weiter nach vorne, bis auf die 10er Position, gewandert. Mittlerweile bin ich aber auf der 6er/8er Position zu Hause. 

Seit wann spielst du bei Eintracht Braunschweig und wie bist du zum Verein gekommen?

Ich bin seit Sommer 2019 bei Eintracht. Damals bin ich über einen Instagram-Aufruf auf ein Probetraining aufmerksam geworden. Der Zeitpunkt hat perfekt gepasst, weil für mich ohnehin der Wechsel in den Damenbereich anstand. So bin ich in der 2. Frauenmannschaft gestartet.

Was bedeutet Eintracht Braunschweig für dich persönlich?

Ich bin im Braunschweiger Land aufgewachsen und war schon früher als Kind gemeinsam mit meinem Vater und meinem Bruder im Stadion. Daher bin ich von klein auf eintracht-geprägt und hier verwurzelt. 

Gab es einen Moment, in dem du wusstest: „Hier will ich mich weiterentwickeln“?

Egal welchen Trainer ich in der zweiten Mannschaft hatte, man hat mir immer das Vertrauen geschenkt und mich aktiv gefordert. Ich musst erst den Glauben an mich und mein Können finden, bevor ich gemerkt habe, dass der Weg noch weiter gehen kann.  Einen konkreten Moment gab es also nicht, für mich war es ein kontinuierlicher Prozess. 

Wie würdest du deine Zeit in der 2. Frauenmannschaft beschreiben?

Auch bedingt durch das Alter bin ich dort gereift und sowohl fußballerisch als auch persönlich erwachsen geworden. Die Mannschaft hat sich über die Jahre stark verändert und weiterentwickelt, dennoch waren wir immer ein super harmonisches Team, in dem ich mich sehr wohl gefühlt und mich sportlich enorm weiterentwickelt habe. Es war eine tolle Zeit. 

In welchen Bereichen hast du dich besonders entwickelt?

Vor allem in Sachen Übersicht und Spielverständnis habe ich besonders dazu gelernt. Mein Blick für Räume und Situationen hat sich stark verbessert. Gleichzeitig habe ich an Präsenz und Ausstrahlung auf dem Platz gewonnen.

Was hat dir die 2. Frauenmannschaft mitgegeben? 

In der zweiten Mannschaft habe ich die Möglichkeit bekommen zunächst einmal im Frauenbereich Fuß zu fassen und Stück für Stück zu verstehen, welche Rolle ich auf dem Platz einnehmen kann. Persönlich hat mich auch die Benennung zu der zweiten Kapitänin und damit auch in den Mannschaftsrat wachsen lassen, sodass ich zunehmend mehr Verantwortung auf und neben dem Platz übernehmen durfte. 

Gab es Personen, die dich besonders geprägt haben? 

Das ist schwer zu beantworten, da ich von jedem der Trainer viel lernen konnte. Begonnen bei Lukas Ebeling, der mich direkt in meinem ersten Jahr in die Stammelf genommen hat. Über Sina Borowski und Corinna Griese, die mich in das Kapitänsamt geholt und mir damit mehr Verantwortung übergeben haben. Weiter ging es mit Andreas Bartzsch , der mich nochmal ein neues Verständnis für die Räume auf dem Feld gegeben hat. Bis hin schließlich zu Sebastian Thies, der mich mehr und mehr in die Verantwortung genommen, mich damit persönlich gefordert und den Blick auf die Details gerichtet hat. 

Wer mir über die ganze Zeit hinweg ans Herz gewachsen ist, ist Heiko Jotzo, als die Konstante und gute Seele der Mannschaft. 

Wie hast du erfahren, dass du im Winter den Schritt in die 1. Frauenmannschaft gehst – und was ging dir dabei durch den Kopf?

Der Trainerteam hat mir im Laufe der Hinrunde gesagt, dass ich als Trainingsgast sehr gern gesehen bin und mich auch immer wieder zu Spielen mitgenommen. Daraus entstand schließlich das Angebot, dass sich sie zum Winter hin gerne hochziehen würden und ich zum Ende der Hinrunde eine Entscheidung diesbezüglich treffen sollte. Ich habe mich darüber natürlich sehr gefreut, habe dennoch um Bedenkzeit gebeten, da ich in der Zweiten fest verwurzelt bin und zudem über mein Studium stark eingespannt bin. Dennoch hat mich die Möglichkeit sehr gereizt, zu schauen was sportlich noch möglich ist. Auch, dass ich die Mannschaft sowie das Trainerteam über die Hinrunde hinweg schon gut kennenlernen konnte, hat mich in meiner Entscheidung für den Wechsel bestärkt. 

Was hat sich für dich im Trainings- und Spielalltag am meisten verändert?

Zunächst einmal habe ich nun einen Trainingstag die Woche mehr, was in Sachen Zeitmanagement einen großen Unterschied macht. Dazu kommt, dass das äußere Interesse an den Spielen höher als noch in der Zweiten.

Wo liegen die größten Unterschiede zur 2. Mannschaft?

Definitiv in der Körperlichkeit und der Geschwindigkeit des Spiels. Mit der zweiten Mannschaft haben wir eine gute Hinrunde in der Landesliga gespielt, die Oberliga ist allerdings nochmal etwas ganz Anderes. Auch auf taktischer Ebene werde ich nochmal ganz anders gefordert.

Wie wurdest du im Team aufgenommen?

Sehr gut! Ich habe mich direkt wohl und willkommen gefühlt, was mir den Wechsel wirklich erleichtert hat. Die Mischung aus Spaß an der Sache und gleichermaßen sportlichem Ehrgeiz gefällt mir total.

Welche persönlichen Ziele hast du dir für die Rückrunde gesetzt?

Ich möchte zunächst einmal gut in der Mannschaft ankommen und so viel Spielzeit wie möglich sammeln. Die größte Schwierigkeit für mich liegt aktuell in der Geschwindigkeit des Spielgeschehens und der höheren taktischen Anforderung. Hier möchte ich auf das gegenwärtige Niveau kommen.

Was möchtest du dir langfristig erarbeiten?

Langfristig möchte ich eine feste Größe im Team werden, meine Stärken einbringen und mit der gleichen Leichtigkeit und Selbstsicherheit auftreten, wie zuletzt in der 2. Mannschaft.

Was würdest du Spielerinnen aus der 2. Frauen mitgeben, die denselben Weg gehen möchten?

Ich würde ihnen sagen, dass sie es einfach mal probieren sollen. Es gibt nichts zu verlieren und die Wege stehen offen – in beide Richtungen. 

Was macht den Frauenfußball bei Eintracht Braunschweig für dich besonders?

Mir gefällt die Mischung aus einem direkten und stückweit familiären Umfeld gepaart mit dem klaren Leistungsgedanken. Ich bin ebenso glücklich in allen drei Frauenmannschaften tolle Menschen zu kennen bzw. kennengelernt zu haben, von denen jede/r Einzelne/r diesen Sport und diesen Verein im Herzen trägt und mit Leidenschaft bei der Sache ist. 

Gibt es zum Abschluss jemanden, dem du Danke sagen möchtest?

Es ist schwer eine einzelne Person herauszunehmen, da ich mir sicher bin:  Ohne das gesamte Umfeld bei Eintracht hätte ich diesen Weg nicht gehen können. Dennoch möchte ich an der Stelle meine Freundin Stefanie erwähnen, die mich darin bestärkt hat den Wechsel tatsächlich anzugehen, mir immer gut zugesprochen und hinter mir gestanden hat, auch wenn ich selbst mal gezweifelt habe. 

Sebastian Thies, Cheftrainer der 2. Frauenmannschaft, hat Leandra auf ihrem Weg eng begleitet – und blickt so auf ihre Entwicklung. 

Du hast die Spielerin über einen längeren Zeitraum begleitet: Wie hast du ihre sportliche und persönliche Entwicklung wahrgenommen?

Leandra bringt fußballerisch eine sehr gute Grundausbildung mit. Sie hat in den letzten Jahren einen enormen Schritt gemacht diese guten Fähigkeiten effektiv und kontinuierlich für das Team einzusetzen. Außerdem hat sie sich zur absoluten Führungsspielerin bei uns entwickelt und ist stets, auch in schwierigen Situationen, als Vorbild vorne weg marschiert. 

Was hat aus deiner Sicht den Ausschlag gegeben, dass sie jetzt im Winter den Schritt in die 1. Frauen gehen konnte?

In meinen Augen ist jetzt einfach so weit den nächsten Schritt zu gehen. Sie hat in der Hinrunde bei einigen Einsätzen in der 1. Frauen scheinbar genug Eindruck hinterlassen, dass das Trainerteam ihr die Chance gibt. Zurecht wie ich finde. 

Wie wichtig ist aus deiner Sicht die enge Zusammenarbeit zwischen der 2. und 1. Frauenmannschaft für solche individuellen Entwicklungen?

Diese sehr enge Zusammenarbeit ist dabei das Wichtigste. Die Trainerteams im Frauenbereich denken im wahrsten Sinne des Wortes in „Eintracht“ und leben diese - in beide Richtungen. 

Der Schritt in die 1. Frauen ist eine Anerkennung für die Spielerin, stellt aber auch die 2. Frauenmannschaft vor neue Aufgaben: Wie planst du, diesen Abgang im Team aufzufangen?

Natürlich ist es bitter eine Leistungsträgerin und Führungsspielerin zu „verlieren“ (sie ist ja gar nicht weit weg). Aber wir im Trainerteam der zweiten definieren es als unsere Aufgabe die Spielerinnen genau dahin zu entwickeln. Jede soll ihr bestmögliches Niveau erreichen. Daher ist eine solche „Beförderung“ auch eine Anerkennung unserer Arbeit und der Arbeit jeder einzelnen Mitspielerin der vergangenen Jahre. 

Gleichzeitig ist uns auch klar, dass es im Fußball immer weiter geht. Es gibt jetzt wieder die Chance für alle anderen mehr zu spielen und den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen. Wir vertrauen da unserem Kader.  

Was sagt dieser Schritt aus deiner Sicht über den Weg der 2. Frauen bei Eintracht Braunschweig insgesamt aus – und wofür möchtest du mit deiner Mannschaft künftig stehen?

Dieser Schritt ist eine Bestätigung unserer Arbeit der letzten Jahre. Wir definieren uns als das Team, dass für die Eintracht Spielerinnen (weiter-)entwickelt. Entwicklung ist unsere höchste Priorität. Egal ob aus 1. Frauen, 2. Frauen, 3. Frauen oder U17. Wir haben talentierte junge Spielerinnen im Kader, die wir stetig weiterentwickeln und eines Tages, wer weiß, folgen sie Leandras Vorbild.